Venus betritt die Fische: Mitgefühl und Hingabe
In den Fischen, dem Zeichen ihrer Erhöhung, entfaltet Venus ihre zarteste, grenzenloseste Gestalt. Liebe wird mitfühlend und entgrenzt, die Sehnsucht nach Verschmelzung und nach Schönheit ohne Bedingung wächst.
Die Fische gelten als das Zeichen, in dem Venus erhöht ist, das heißt, ihre Qualitäten kommen hier besonders rein und gesteigert zum Ausdruck. Das mutable Wasserzeichen unter der Mitherrschaft von Neptun verleiht der Liebesgöttin etwas Überpersönliches: Aus der individuellen Zuneigung wird universelles Mitgefühl, aus dem Begehren eine Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem Größeren. Der Ingress dauert etwa drei bis vier Wochen.
Kollektiv wächst in dieser Phase die Empfänglichkeit für das Feine, das Spirituelle und das Künstlerische. Mitgefühl und Hilfsbereitschaft nehmen zu, Grenzen zwischen Ich und Du werden durchlässiger. Es ist eine inspirierende Zeit für Musik, Poesie, Malerei und für alles, was nicht aus dem Verstand, sondern aus der Empfindung kommt. Die Fische-Venus liebt nicht, weil etwas verdient wird, sondern bedingungslos.
Persönlich kann diese Phase das Herz weit öffnen. Man vergibt leichter, fühlt sich mit allem verbunden und sehnt sich nach einer Liebe, die über das Alltägliche hinausreicht. Romantik bekommt einen traumhaften, fast überirdischen Glanz. Auch die Kreativität fließt nun aus tieferen Quellen.
Doch gerade die Grenzenlosigkeit birgt die Gefahr. Die Fische-Venus neigt zur Illusion, zur Selbstaufgabe und zum Opfer, das niemand verlangt hat. Man verliebt sich leicht in ein Idealbild statt in einen wirklichen Menschen und verschwimmt in Beziehungen bis zur Selbstauflösung. Psychologisch betrachtet stellt dieser Ingress die Frage nach dem Unterschied zwischen Hingabe und Verlust der eigenen Kontur. Die Reife dieser Wochen besteht darin, mitfühlend und durchlässig zu sein, ohne sich aufzulösen, und die Sehnsucht nach dem Grenzenlosen ins Schöpferische statt in die Flucht zu lenken.
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